Ein IT-Systemhaus aus Frankfurt bekommt jeden Monat rund 38 Anfragen über das Kontaktformular. Manche kommen von Geschäftsführern mit konkretem Budget und Startzeitpunkt, andere von Studenten für Abschlussarbeiten, Praktikanten die Konkurrenzrecherche betreiben, oder Leuten die schlicht den falschen Knopf gedrückt haben. Bis vor einem Jahr hat der Vertrieb alle angerufen.
Drei bis vier Stunden pro Woche sind dabei für Gespräche draufgegangen, die mit "wir sind eigentlich nur am Schauen" oder "das war ein Versehen" geendet haben. Der eigentliche Schaden war nicht die verlorene Zeit - sondern dass die echten Kaufinteressenten genauso lange auf einen Rückruf gewartet haben wie alle anderen. Wer ernsthaftes Interesse hatte, war manchmal schon beim Wettbewerb, wenn jemand ran kam.
Das Problem ist nicht ungewöhnlich. Wer ein Kontaktformular betreibt, hat keine Möglichkeit vorab zu sortieren - außer es passiert automatisch, bevor irgendjemand Zeit investiert.
Laut einer Analyse von MarketingSherpa werden branchenübergreifend rund 79 Prozent aller Marketing-Leads nicht in einen Abschluss konvertiert. Der häufigste Grund ist nicht mangelndes Interesse - sondern dass keine strukturierte Nachverfolgung stattfindet, weil der Vertrieb die Zeit damit verbringt, unqualifizierte Kontakte zu bearbeiten.
der Formular-Einsendungen waren nicht kaufbereit - im Schnitt der letzten 12 Monate vor der Automation.
Was ein KI-Score eigentlich bewertet
Ein KI-Score ist kein Zaubertrick. GPT-4o liest den Freitext der Anfrage und bewertet ihn anhand von Kriterien, die vorher definiert wurden: Gibt es einen konkreten Bedarf? Einen Zeitrahmen? Eine Unternehmensbezeichnung, die auf einen B2B-Kontext schließen lässt? Formulierungen, die auf echtes Budget-Denken hinweisen ("wir suchen einen Partner", "wir haben ein Projekt", "wir wollen bis Q3")? Oder generische Phrasen ohne jede Substanz ("ich würde gerne mehr wissen")?
Dazu kommen die Strukturdaten aus dem Formular: E-Mail-Domain (kostenlose Anbieter wie Gmail vs. Unternehmensdomains), ausgefüllte oder leere Pflichtfelder, Tageszeit und Wochentag der Einsendung. Kein einzelnes Signal ist entscheidend - aber zehn zusammen ergeben ein klares Bild.
Das Systemhaus aus Frankfurt hat die Bewertungskriterien selbst definiert, weil es seine Zielkunden kennt: Unternehmen ab 20 Mitarbeitenden, Bedarf an Managed Services oder IT-Infrastruktur, Rhein-Main oder deutschlandweit. Wer diese Kriterien nicht erfüllt, ist nicht automatisch raus - bekommt aber eine niedrigere Priorität.
Wie der Workflow aufgebaut ist
Der Ablauf in n8n hat vier Stufen:
Webhook-Eingang aus dem Kontaktformular
Jede Formular-Einsendung triggert n8n per Webhook - entweder direkt aus dem CMS oder über einen Zwischenschritt via Zapier oder Make, wenn das Formular keine native Webhook-Unterstützung hat. n8n bekommt alle Felder: Name, E-Mail, Unternehmen, Nachricht, Zeitstempel.
Datenanreicherung
n8n extrahiert die Domain aus der E-Mail-Adresse und schlägt das Unternehmen über die Clearbit-API nach. Wenn ein Treffer vorhanden ist, kommen Firmengröße, Branche und Standort dazu. Kein Treffer: n8n arbeitet nur mit den Formulardaten weiter, ohne den Score zu blockieren.
GPT-4o Bewertung
n8n schickt alle Daten mit einem strukturierten Prompt an GPT-4o. Das Modell gibt einen Score von 0 bis 100 zurück, dazu eine kurze Begründung ("Unternehmensangabe vorhanden, konkreter Zeitrahmen genannt, B2B-Kontext wahrscheinlich") und eine Empfehlung - sofort kontaktieren, Nurture-Sequenz, oder kein Follow-up. Dauer: 3 bis 8 Sekunden.
Automatisches Routing nach Score-Klasse
Score über 70: sofortige Slack-Benachrichtigung ans Vertriebsteam mit allen Daten, Bewertung und Begründung. Score 40-70: Lead landet in einer E-Mail-Sequenz, die mit einem Informations-Mail startet und nach fünf Tagen nochmal nachfragt. Score unter 40: automatische Antwortmail, kein manueller Aufwand.