Begriffe

Corporate, Enterprise, Private, On-Premise: vier Wörter, ein Thema

Keiner dieser vier Begriffe ist genormt. Es gibt keine Norm, keine Zertifizierung und keine Stelle, die festlegt, was sie bedeuten. Deshalb beschreiben zwei Anbieter mit demselben Wort oft verschiedene Dinge. Drei der vier sagen etwas über die Organisation, nur einer legt den Ort fest.

Was jeder Begriff aussagt

Die vier im Einzelnen

Achten Sie auf die Zeile „sagt nichts über". Dort sitzen die Missverständnisse.

Corporate LLM

Sprachmodell im Unternehmenseinsatz, unter Kontrolle des Unternehmens.

Sagt etwas über: Etwas über den organisatorischen Rahmen: Rollen, Protokolle, Vertrag, Zugriff auf interne Unterlagen.

Sagt nichts über: Wo das Modell läuft und wem es gehört.

Benutzt von: Im deutschsprachigen Raum überwiegend von Plattformanbietern benutzt, die mehrere fremde Modelle auf deutschen Servern bündeln.

Enterprise LLM

Dasselbe Thema in der englischen Fachsprache, meist für größere Organisationen.

Sagt etwas über: Etwas über die Größenordnung: viele Nutzer, mehrere Abteilungen, Anbindung an bestehende Systeme.

Sagt nichts über: Ob das Modell in der Cloud oder im Haus läuft.

Benutzt von: Internationale Anbieter, Beratungen und IT-Fachmedien. In Ausschreibungen häufiger als die deutschen Varianten.

Private LLM

Betont die Abschottung: das Modell ist nur für Sie erreichbar.

Sagt etwas über: Etwas über die Zugänglichkeit von außen. Kein geteilter öffentlicher Dienst.

Sagt nichts über: Ob die Hardware bei Ihnen steht. Eine abgeschottete Instanz bei einem Anbieter ist auch ein Private LLM.

Benutzt von: Technisch orientierte Anbieter und Entwicklerkreise.

On-Premise LLM

Der einzige dieser Begriffe, der den Ort festlegt.

Sagt etwas über: Die Hardware steht in Ihren Räumen oder in Ihrem angemieteten Rack.

Sagt nichts über: Wie gut es organisiert ist. Ein Gerät im Serverraum ohne Rollen und Protokoll ist On-Premise, aber kein sauber betriebenes Corporate LLM.

Benutzt von: IT-Abteilungen, Systemhäuser, klassische Infrastrukturanbieter.

Souveräne KI

Politisch geprägter Begriff, meint Unabhängigkeit von außereuropäischen Anbietern.

Sagt etwas über: Etwas über die Herkunft von Modell, Betreiber und Rechenzentrum sowie über die Rechtsordnung, die dafür gilt.

Sagt nichts über: Ob Ihre Daten technisch abgeschottet sind. Ein europäischer Anbieter kann dieselben offenen Fragen haben wie ein amerikanischer.

Benutzt von: Politik, Verwaltung, Förderprogramme und europäische Anbieter. In Ausschreibungen der öffentlichen Hand häufig.

Die häufigste Verwechslung

Private LLM heißt nicht, dass die Maschine bei Ihnen steht

Ein abgeschotteter Bereich bei einem Anbieter erfüllt die Zusage „privat" vollständig: kein anderer Kunde greift darauf zu, Ihre Eingaben trainieren kein gemeinsames Modell. Die Hardware gehört trotzdem dem Anbieter, und Ihre Daten liegen in dessen Rechenzentrum.

Für die DSGVO macht das einen Unterschied, für das Berufsrecht einen größeren. Wenn Ihre Schweigepflicht aus § 203 StGB folgt, ist die Frage nicht, ob jemand anders zugreifen könnte, sondern wem Sie die Daten überhaupt anvertrauen dürfen. Diese Unterscheidung fällt in Angeboten oft weg, weil beide Begriffe beruhigend klingen.

Fragen Sie deshalb nicht nach Begriffen, sondern nach dem Ort: In welchem Rechenzentrum liegen die Daten, wer betreibt es, und gibt es einen Auftragsverarbeitungsvertrag? Die Antworten lassen sich vergleichen, die Etiketten nicht.

Warum das teuer wird

Zwei Angebote, dasselbe Etikett, dreifacher Preis

Der Schaden entsteht beim Vergleichen. Sie holen zwei Angebote für ein „Private LLM" ein. Das erste meint einen abgeschotteten Bereich bei einem Anbieter, monatlich pro Nutzer abgerechnet, in vier Wochen nutzbar. Das zweite meint ein Gerät in Ihrem Serverraum, einmal gekauft, dazu Betreuung, mit Lieferzeit und einer Begrenzung auf zwanzig Nutzer.

Beide Angebote sind korrekt beschriftet. Sie beantworten aber verschiedene Fragen, und die Summen lassen sich nicht gegeneinander stellen: Miete gegen Kauf, sofort gegen später, unbegrenzt gegen begrenzt. Wer sie in eine Tabelle mit einer Spalte „Preis" schreibt, entscheidet am Ende nach der falschen Zahl.

Dasselbe passiert bei „souveräne KI". Ein Anbieter meint damit ein europäisches Rechenzentrum, ein anderer zusätzlich ein in Europa entwickeltes Modell, ein dritter nur die eigene Firmenadresse in der EU. Drei Auslegungen, drei Risikoprofile, ein Wort.

Praktische Folge

Was Sie stattdessen aufschreiben sollten

Wenn Sie Angebote einholen, nennen Sie keinen der vier Begriffe als Anforderung. Beschreiben Sie die Bedingungen: wie viele Personen gleichzeitig damit arbeiten, welche Unterlagen das Modell lesen darf, welche davon unter Berufsgeheimnis fallen, wo die Daten liegen dürfen, und wer die Modelle aktualisiert, wenn ein besseres erscheint.

Danach werden die Angebote vergleichbar, und Sie merken schnell, welcher Anbieter Ihre Lage verstanden hat. Welche Betriebsform aus diesen Bedingungen folgt, steht auf der Übersicht zum Corporate LLM.

Auch die unbequemen

Häufige Fragen

Welchen Begriff soll ich in einer Ausschreibung benutzen?
Keinen davon allein. Schreiben Sie die Anforderungen hin: wo die Daten liegen dürfen, wie viele Nutzer gleichzeitig arbeiten, ob ein Auftragsverarbeitungsvertrag nötig ist, wer die Modelle aktualisiert. Anbieter, die dieselben Wörter anders verstehen, liefern sonst Angebote, die sich nicht vergleichen lassen.
Ist Private LLM dasselbe wie On-Premise?
Nein, und das ist die häufigste Verwechslung. Private LLM sagt, dass niemand außer Ihnen an die Instanz kommt. Das kann auch ein abgeschotteter Bereich beim Anbieter sein, dessen Hardware Ihnen nicht gehört. On-Premise sagt zusätzlich, dass die Maschine bei Ihnen steht.
Warum benutzen Anbieter denselben Begriff unterschiedlich?
Weil keiner davon definiert ist. Es gibt keine Norm und keine Zertifizierung. Jeder Anbieter legt den Begriff so aus, dass sein eigenes Angebot in die Mitte rückt. Das ist nicht unredlich, es macht aber Vergleiche über Begriffe unmöglich.
Was benutzt Ventas AI?
Wir sagen Corporate LLM für die Betriebsform allgemein und benennen die konkrete Umsetzung dann klar: bei uns ein Gerät im Haus mit offenen Modellen, also On-Premise. Wenn eine Cloud-Plattform für Ihren Fall besser passt, sagen wir das auch.

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Und welche Form passt zu Ihnen?

Die Begriffe sind geklärt, die Entscheidung nicht. Auf der Übersichtsseite stehen die drei Betriebsformen mit dem, was jede kostet: Geld, Kontrolle oder Zeit.

Stand: August 2026