Eingangsrechnungen kommen so: eine E-Mail, ein PDF im Anhang, und irgendwann muss jemand das aufmachen, die Zahlen ablesen und eintippen. Rechnungsnummer, Datum, Lieferant, Betrag, MwSt.-Satz. Vier Minuten, wenn der Scan lesbar ist. Sieben, wenn nicht.
Der Aufwand klingt klein, bis man ihn hochrechnet. Ein Betrieb mit zehn Mitarbeitenden bekommt leicht 120 bis 160 Rechnungen im Monat zusammen - Material, Subunternehmer, Fahrzeuge, Bürobedarf, Werkzeug. Bei vier Minuten im Schnitt sind das rund 9 Stunden reine Dateneingabe. Kein Mehrwert, keine Entscheidung, keine Kontrolle. Nur Übertragen.
Das Muster ist branchenübergreifend: Laut einer DocuWare-Marktbefragung (2023) verarbeiten mehr als 60 Prozent der Unternehmen unter 500 Mitarbeitenden ihre Eingangsbelege noch überwiegend manuell - obwohl die meisten längst eine Buchhaltungssoftware wie DATEV oder Lexoffice nutzen.
Wir haben diesen Workflow Anfang 2026 für einen Handwerksbetrieb aus Offenbach aufgebaut, der genau in dieser Situation steckte. Was dabei entstanden ist, erklärt dieser Artikel Schritt für Schritt.
Tipparbeit im Monat - bei 140 Rechnungen, vier Minuten pro Stück.
Das eigentliche Problem ist nicht die Zeit
Der Betrieb aus Offenbach hat uns nicht wegen der Stunden angesprochen. Die Sekretärin, die die Rechnungen bearbeitete, hatte das jahrelang im Griff. Das eigentliche Problem tauchte beim Jahresabschluss auf: vertippte Rechnungsnummern, Lieferantennamen, die mal mit Bindestrich und mal ohne erschienen, Beträge die um einen Cent abwichen weil jemand die Nachkommastellen gerundet hatte. Kleine Fehler, aber konsequent ärgerlich, weil der Steuerberater jeden einzelnen ansprechen musste.
Das ist der Unterschied zwischen manuellem Übertragen und automatischer Extraktion: Ein Mensch ermüdet, ein Modell nicht. Bei der 140. Rechnung macht GPT-4o denselben Job wie bei der ersten.
Wie der Workflow aufgebaut ist
Der Workflow läuft in n8n und hat vier Stationen. n8n überwacht ein eigens dafür eingerichtetes Postfach - in diesem Fall rechnungseingang@... - und startet automatisch, sobald eine E-Mail mit PDF-Anhang eingeht.
Der Ablauf im Detail:
E-Mail-Eingang erkennen
n8n überwacht das Rechnungspostfach und erkennt neue E-Mails mit PDF-Anhang. Der Anhang wird extrahiert und als temporäre Datei bereitgestellt.
KI-Extraktion via GPT-4o Vision
Das PDF geht an die OpenAI-API. GPT-4o liest das Dokument und gibt ein strukturiertes JSON zurück: Lieferantenname, Rechnungsnummer, Datum, Nettobetrag, MwSt.-Satz, Bruttobetrag - und wenn vorhanden die IBAN für den Zahlungslauf. Dauer: 4 bis 12 Sekunden.
Lexoffice-Buchung per API
n8n schreibt die extrahierten Felder direkt in Lexoffice. Eine neue Eingangsrechnung entsteht, mit dem Original-PDF als Anhang, und landet sofort in der offenen Rechnungsliste.
Slack-Bestätigung
Eine Nachricht im Team-Kanal bestätigt den Vorgang: Lieferant, Betrag, Rechnungsnummer und ein direkter Link zum Eintrag in Lexoffice. Gesamtdurchlauf: 18 bis 40 Sekunden.